Pareidolie - Wolkenbilder und Geisterfotos
Im Netz kursiert eine Unzahl von Geisterfotos und auch wir bekommen immer wieder Bilder zugeschickt, auf denen Gesichter oder nebelhafte Gestalten zu sehen sind, die die Betroffenen für Geister halten.
In den meisten Fällen stellt sich jedoch heraus, dass die Betrachter von ihrer eigenen Wahrnehmung getäuscht wurden. Dies geschieht häufiger, als man meinen möchte.
Warum ist das so?
Dies hängt damit zusammen, wie unsere Wahrnehmung funktioniert. Sie geschieht nicht auf einmal, es handelt sich vielmehr um einen dreistufigen Prozess. Diese drei Stufen sind: Empfinden -> Organisieren -> Einordnen.
Bei der visuellen Wahrnehmung passiert folgendes:
In der ersten Stufe bildet sich das Abbild eines Objektes auf der Netzhaut. In der zweiten Stufe wird das Gesehene zu einer festen Form zusammengesetzt, also organisiert. Die dritte Stufe dient zur Einschätzung und Kategorisierung des Gesehenen und ordnet ihm eine Bedeutung zu.
Aus dem Objekt, das wir gesehen haben, wird nun ein Apfel, ein Auto oder ein Mensch. Eine angemessene Reaktion auf das Gesehene wird erst durch diese letzte Stufe überhaupt möglich.
Wieso können unsere Augen, bzw. unsere Wahrnehmung uns nun überhaupt täuschen?
Hier kommt die Pareidolie ins Spiel.
Zusammengesetzt wird dieser Begriff aus dem griechischen „para“, was „daneben, vorbei“ bedeutet und „eidolon“, was für „Bild, Erscheinung“ steht.
Unser Gehirn sucht bei der Wahrnehmung ständig nach Mustern und Bildern. Dadurch tendiert es aber dazu, diese Muster auch in zufälligen Formen und Strukturen zu erkennen. Oder auch in Sinneseindrücken mit geringem Informationsgehalt, wie z.B. einem dunklen oder unscharfen Foto. D.h. können wir etwas nicht genau erkennen, wird unser Gehirn versuchen, eine uns bekannte Form zu erkennen, die dem Gesehenen am ähnlichsten ist.
Pareidolie ist der Begriff für diese Tendenz unseres Gehirns.
Das wir Figuren in Wolkenformationen erkennen können, ist ein gutes Beispiel dafür. Oder Tapetengesichter. Oder eben Geister in unscharfen oder vernebelten Fotos.
Das (Wieder-)Erkennen von Mustern wiederholter Sinneseindrücke wird durch Lernvorgänge gebildet und gefestigt. Je öfter wir bestimmte Muster sehen, desto besser prägen sie sich uns ein. So kommt es, dass wir irgendwann nur noch eine einfache Skizze, z.B. eines Apfels, sehen müssen, um zu wissen, welcher Gegenstand dargestellt wird. Das Wiedererkennen hängt also von gespeicherten Erinnerungen ab.
Besonders ausgeprägt ist dies beim (Wieder-)Erkennen von Gesichtern. Schon als Baby prägen wir uns als Erstes das Gesicht unserer Mutter ein. Und wir lernen schnell, die Gesichter unserer anderen Bezugspersonen, von denen wir versorgt und beschützt werden, zu erkennen, da dies zum Überleben erforderlich ist. Auch unsere soziale Kompetenz hat mit dem Erkennen von Gesichtern zu tun. Im Umgang miteinander ist es wichtig, andere Personen und ihre Stimmung möglichst schnell anhand der Gesichter zu erkennen, um angemessen reagieren zu können. So wichtig, dass uns zwei Punkte und eine gebogene Linie reichen, um ein Gesicht und eine Stimmung erkennen zu können. Hier sei auf die sogenannten Smileys verwiesen. Gibt man bei Google ‚optische Täuschung‘ ein und sucht nach Bildern, findet man unzählige Beispiele für Muster und Gegenstände, in denen menschliche Züge (Augen, Mund) zu erkennen sind.
Dies ist mit Sicherheit eine Erklärung für die Interpretation vieler Geisterfotos.
Hinzu kommt, dass es sich bei der Wahrnehmung nicht nur um ein passives Aufnehmen von Sinnesdaten handelt. Wir verarbeiten diese Daten aktiv, nach individueller Prägung, gesteuert von Erwartungen und Vorurteilen. Ohne bewusstes Zutun ist unsere Wahrnehmung selektiv. Je mehr wir erwarten, etwas Bestimmtes zu sehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dies tatsächlich subjektiv zu erkennen. Was nicht interessiert, oder relevant ist, wird ausgeblendet.
Sogar unser Gefühlsleben spielt in die Wahrnehmung mit ein. Diese Tatsache macht sich die Psychologie zunutze, wenn sie mit Tintenkleks- bzw. Rorschach-Tests arbeitet. Hier wird versucht, die Patienten aufgrund ihrer, von Erwartungen, Prägung, Vorurteilen und Gefühlen beeinflussten Wahrnehmung zu analysieren.
Für die Interpretation von Geisterfotos heißt das: Je mehr man erwartet und sich vielleicht auch erhofft, einen Geist auf einem Foto zu erkennen, desto eher wird man auch tatsächlich ein Gesicht oder eine schemenhafte Gestalt interpretieren.
Daher lohnt sich auf jeden Fall ein zweiter, dritter und vor allem ein kritischer Blick auf diese Fotos.
Angelika (Ghosthunter Germany)






