Wer sich intensiv mit der Thematik der Geisterjagd beschäftigt, stößt zwangsläufig auf das elektronische Stimmen-Phänomen (ESP), im englischen Electronic Voice Phenomenon (EVP). Eine ausführliche Erklärung sparen wir uns an der Stelle. Näheres können Sie hier nachlesen.

Auf einschlägigen Webseiten präsentiert man uns immer wieder Ausschnitte solcher Aufzeichnungen. Und daraus ergibt sich auch der erste Haken. Ein Anderer hat für uns entschieden, welche Stelle der Aufnahme man für hörenswert im Sinne eines "Phänomens" zu halten hat. Um dem Vorwurf der Effekthascherei zu entgehen, hält sich der Präsentierende aber meist zurück, mit der Aussage, dass er zuerst hören möchte, was andere verstehen. Umgekehrt funktioniert ebenso die Beeinflussung im Voraus, in dem man das, was man zu verstehen hat, gleich dazu geschrieben bekommt.

Dennoch ist man nun an der Stelle angekommen, an der man etwas hört, das man interpretieren muss. Ausgenommen der Präsentierende hat uns die Interpretation gleich mitgeliefert. Hier stellt man zunächst fest, dass offensichtlich nicht jeder das Gleiche hört. Das Gehörte ist also nicht eindeutig. Der Hörer unterliegt hier seiner Wahrnehmung, also der Erfassung des Gehörten durch Hilfe seiner Sinnesorgane (Ohren) und Verarbeitung dieser Eindrücke aufgrund von früheren Erfahrungen.

Hier sollte man sich die psychologischen Grundlagen von Wahrnehmungs- und Informationsprozessen zu Gemüte führen. Die Verarbeitung aller uns dargebotenen Reize ist Voraussetzung für ein Interagieren mit unserer Umwelt. Im Wesentlichen sind dafür zwei Informationsverarbeitungsprozesse verantwortlich: Bottom up- und Top-Down-Verarbeitung.

Neben der Bottom-Up-Verarbeitung, Aufnahme sensorischer Daten und Weiterleitung zum Gehirn, betrifft uns bei ESP´s besonders die Top-Down-Verarbeitung. Sie beteiligt unsere Erwartungen, Erfahrungen, unser persönliches Wissen, unsere eigenen Motive usw. an der Wahrnehmung. Höhere mentale Prozesse beeinflussen demnach, wie wir verstehen.

Diese Fähigkeit  lässt uns unvollständige, fehlerhafte oder hier interpretationsabhängige Informationen aufgrund der subjektiv entwickelten Persönlichkeit zu etwas Sinnvollem verarbeiten.

Leider stellt uns unsere subjektive Wahrnehmung hier allzu oft ein Bein. Wir verstehen etwas, wo es vielleicht nichts zu verstehen gibt. So kann, beim Abhören der Aufnahmen paranormaler Untersuchungen zum Beispiel, aus dem Klickgeräusch beim Ein- oder Ausschalten einer Taschenlampe schnell ein "verstandener" Satz oder ein Wort werden.

Fazit ist, dass die eigenen Erwartungen und Erfahrungen eine sehr große Rolle spielen, bei dem was man hört und hineininterpretiert.

Es sei mit Vorsicht zu genießen, wenn man eine Aufnahme durch ein wild gefuchteltes Aufnahmegerät als Geisterstimme hört.


Timo (Ghosthunter Germany)